Schwarze Löcher ohne Singularität: Eine konzeptionelle Neuinterpretation von „Unendlich“ in der Gravitation
Zusammenfassung
Kollabierende Materie erzeugt in der Allgemeinen Relativitätstheorie unter sehr allgemeinen Voraussetzungen Raumzeit-Singularitäten: Krümmungsinvarianten divergieren, Geodäten enden nach endlicher Eigenzeit, und die Theorie verliert ihre Vorhersagekraft. Üblicherweise werden diese Divergenzen nicht als physikalische Unendlichkeiten gelesen, sondern als Zeichen dafür, dass die Kontinuumsbeschreibung der Raumzeit an die Grenze ihres Gültigkeitsbereichs gestoßen ist. Verschiedene Zugänge zur Quantengravitation, etwa Fuzzball-Modelle oder Planck-Sterne, ersetzen die Singularität dementsprechend durch einen endlichen, stark quantenmechanischen Zustand.
Die vorliegende Arbeit macht diesen Gedanken auf konzeptioneller Ebene explizit. Das Schwarze Loch wird als Betragszustand der kollabierten Masse-Energie aufgefasst; „Unendlich“ ist in diesem Bild kein Wert, den Observablen annehmen, sondern ein Domänenmarker, der den Übergang vom klassischen Konfigurationsraum in einen neuen Zustandsraum Schwarzer Löcher anzeigt. Ein einfaches mathematisches Rahmenwerk präzisiert den Übergang: Eine kritische Dichte definiert einen Übergangsradius, unterhalb dessen die Konfiguration durch einen Betragszustands-Operator auf einen endlichen Zustand abgebildet wird. Die drohende Divergenz löst diese Abbildung aus, statt einen unendlichen Wert zu liefern.
Der Rahmen ersetzt keine Quantengravitationstheorie; er stellt eine kontrollierte Sprache für den Umgang mit Unendlichkeiten im Gravitationskollaps bereit und verbindet die klassischen Singularitätssätze mit modernen Szenarien der Singularitätsauflösung.
Inhaltsübersicht
- 1. Einleitung — Beitrag und Einordnung
- 2. Schwarze Löcher und Singularitäten in der klassischen ART
- 3. Bestehende Ansätze zur Singularitätsauflösung
- 4. Unendlich als Domänenmarker
- 5. Ein einfaches mathematisches Rahmenwerk (kritische Dichte, Übergangsbedingung, Betragszustands-Operator)
- 6. Anwendung auf den Gravitationskollaps
- 7. Diskussion: Information, Entropie und Beobachter
- 8. Grenzen des Ansatzes
- 9. Schlussfolgerung und Ausblick
Schlagwörter
Zitierhinweis
Stepan, R. (2026). Schwarze Löcher ohne Singularität: Eine konzeptionelle Neuinterpretation von „Unendlich“ in der Gravitation.
Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.21318834